Fehler machen lernen,
um Fehler zu finden.

HORST lernt aus Satzpaaren: links mit Fehlern, rechts richtig. Millionen davon, in drei Stufen, auf zwei Grafikkarten in der Cloud.

Das Prinzip

Das Modell bekommt einen fehlerhaften Satz und soll Wortstück für Wortstück den richtigen schreiben. Liegt es daneben, werden alle 209 Millionen Parameter ein winziges Stück in die Richtung verschoben, die den Fehler kleiner gemacht hätte. Das wiederholt sich viele Millionen Male.

Eingabe (mit Fehlern)Wir treffen uns am montag beim bäcker.
Ziel (richtig)Wir treffen uns am Montag beim Bäcker.

Etwa jeder zehnte Satz bleibt bewusst fehlerfrei. So lernt HORST auch, richtige Sätze in Ruhe zu lassen. In Phase 3 steigt dieser Anteil auf jeden fünften.

Drei Stufen

  1. Stufe 1
    abgeschlossen

    Künstliche Fehler

    Saubere Sätze aus der deutschen Wikipedia und FineWeb2-HQ, beim Training laufend mit Fehlern versehen. Nach zwei Sitzungen erreichte das Training ein Plateau.

    Makro-F0,5 auf HORST-Hard: 0,76 · bei echten Lernertexten nur 0,37

  2. Stufe 2
    abgeschlossen

    Echte und künstliche Fehler, lange Texte

    Eine Mischung aus künstlichen Fehlern, Wikipedia-Korrekturen, eigenen Fehlerpaaren, Lernertexten aus Falko-MERLIN und Spezialfehlern. Dazu Passagen mit bis zu 500 Wörtern und ein Kontext von 1.024 Wortstücken.

    Makro-F0,5: 0,83 · Lernertexte 0,37 → 0,64 · Kommas 0,77 → 0,95

  3. Stufe 3
    in Arbeit

    Echte Fehler, saubere Messung

    Millionen neue Korrekturpaare aus Wikipedia-Versionen, gelernte Verwechslungen, fehlerfreie Fallen-Sätze, Edit-Dropout und Rückübersetzung mit einem eigenen Rückwärtsmodell.

Der Rauschgenerator

Saubere Sätze gibt es reichlich, Sätze mit echten Fehlern und ihrer Korrektur kaum. Deshalb baut ein Rauschgenerator während des Trainings laufend neue, realistische Fehler ein – jeder Satz sieht bei jedem Durchgang anders aus.

FehlerartBeispielWie es entsteht
TippfehlerHaus → JausBuchstaben werden durch Nachbarn auf der Tastatur ersetzt, vertauscht, verdoppelt oder ausgelassen.
Umlaute und ßStraße → Strasseä, ö, ü und ß werden durch ae, oe, ue, ss oder den Grundbuchstaben ersetzt.
Verwechslungenseit → seidGleich klingende Wörter wie das/dass, seit/seid oder wieder/wider werden vertauscht.
Groß und kleinMontag → montagNomen klein, Verben groß, Satzanfänge klein.
Kommashoffe, dass → hoffe dassKommas werden weggelassen oder an falscher Stelle ergänzt.
Endungeneinem → einenArtikel- und Wortendungen werden vertauscht.
Lautgetreuviel → fielWörter werden so geschrieben, wie man sie spricht.

Markiert: richtig · durchgestrichen: die erzeugte Fehlerform.

Die Mischung

Ab Stufe 2 kommen die Paare aus mehreren Quellen. Wie viel jede beiträgt, ist eine der wichtigsten Stellschrauben. So sieht die Mischung für den nächsten Testlauf aus:

Anteile im Testlauf „S3-lite“ (geplant)
Lernertexte
35 %
Eigene Fehlerpaare
20 %
Wikipedia-Edits
20 %
Spezialfehler
10 %
Künstliche Fehler
10 %
Fallen-Sätze
5 %

Fallen-Sätze sind fehlerfreie Sätze mit Stellen, an denen man leicht falsch korrigiert. Ein zweiter Lauf testet zusätzlich bis zu 8 % gefilterte Forenbeiträge.

Hardware und Ablauf

Alles läuft in der Cloud auf Kaggle: Daten aufbereiten auf CPUs, Training auf zwei Grafikkarten. Eine Sitzung ist zeitlich begrenzt. Deshalb wechseln sich zwei Trainings-Notebooks ab und übernehmen jeweils den letzten Stand des anderen.

Grafikkarten
2 × T4parallel über DDP
Rechengenauigkeit
fp16Mixed Precision
Tempo
~12.000Wortstücke pro Sekunde
Ein Schritt
~1,95 sje Trainingsschritt
Budget
30 hGPU-Zeit pro Woche
Abbruch
Geduld 44 Messungen ohne Fortschritt = Ende

Gegen Überanpassung

Die Lernertexte aus Falko-MERLIN sind wertvoll, aber knapp: rund 19.000 Paare, die das Modell hundertfach sieht. Damit es sie nicht einfach auswendig lernt, gibt es in Phase 3 mehrere Gegenmittel:

  • Edit-Dropout: Aus einem echten Paar wird nur ein Teil der Fehler übernommen. Das Ziel bleibt vollständig korrekt – so entstehen viele Varianten aus einem Beispiel.
  • Mehr Dropout: Beim Weitertrainieren werden 20 % der Verbindungen zufällig ausgeschaltet.
  • Lernrate gegen null: Im letzten Drittel sinkt die Lernrate linear, damit das Modell sanft landet.
  • Getrennte Prüfdaten: Entscheidungen fallen auf einer eigenen Entwicklungs-Benchmark, nie auf dem Test.
  • Harte Schwellen: Eine Stufe gilt nur als besser, wenn sie auf dem vollen Falko-Dev-Satz mindestens 0,02 F0,5 zulegt.

Rückübersetzung

Ein zweites, kleineres Modell mit 61 Millionen Parametern lernt die Gegenrichtung: aus richtigem Deutsch typische Fehler machen. Es erzeugt aus sauberen Sätzen zwei bis drei Millionen neue Fehlersätze, die echten Fehlern näher kommen als jeder handgeschriebene Rauschgenerator.

Damit das nicht schiefgeht, werden die erzeugten Paare gefiltert: Nur Sätze, in denen 3 bis 40 % der Wörter geändert wurden, kommen durch, und eine Qualitätsprüfung entscheidet, ob sie ins Training dürfen.